Hummeln: Frühflieger mit eingebautem NAVI

Während andere Insekten noch abwarten, bis der Frühling mit angenehmen Temperaturen lockt, sind sie schon fleißig unterwegs: Hummeln kann man bereits ab 6 °C herumfliegen sehen.

Zum Fliegen brauchen sie allerdings eine „Betriebstemperatur“ von mindestens 30 °C. Diese erreichen sie, indem sie sich mit ihrer Flugmuskulatur warm zittern. Das ist möglich, weil Hummeln Flugmuskeln und Flügel entkoppeln können. Dabei verbrauchen sie jedoch viel Energie.

Um diesen hohen Energieverbrauch zu decken, muss eine Hummel sehr viele Blüten besuchen und dort Nektar trinken. Damit sie möglichst energiesparend unterwegs ist, überlegt sich die Hummel genau, welche Blüten sie ansteuert. Sie achtet nicht nur auf die Signale der Blüten, wie Duft, Größe, Färbung und ultraviolettes Muster, sondern sie lernt auch durch das Beobachten von Artgenossen, wo es Nahrung gibt. Dann fliegt sie zu Blüten derselben Farbe, an der vorher andere Hummeln gesessen sind. Findet sie dort süßen Nektar, merkt sie sich die Blütenfarbe.

Die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) gehört zu den häufigeren Hummelarten. Hier sitzt sie auf einer Schneeheide (Erica carnea).
Foto: Gernot Waiss

Die Baumhummel (Bombus hypnorum) mag die Blüten von Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Obstbäumen, Rosen und – wie hier zu sehen, Linden.
Foto: Wikimedia commons, Ivar Leidus (Bombus_hypnorum_-_Tilia_cordata_-_Keila)

Manche Blüten haben jedoch noch mehr zu bieten: Wärme!

In einer warmen Blüte können sich die Hummeln passiv aufwärmen lassen. Auch in diesem Fall merkt sich die Hummel die Blütenfarbe. Sie lernt dabei übrigens sehr schnell. Etwa zehn positive Erfahrungen mit einer bestimmten Blütenfarbe reichen, dass sie sich diese bis an ihr Lebensende merkt.

Genau diese Lernfähigkeit könnte einer Pflanze jedoch zum Verhängnis werden, wenn ihre Blüten schon leer getrunken sind. Nachfolgende Hummeln würden nach ein paar Misserfolgen schnell das Interesse an dieser Pflanzenart verlieren. Das wäre fatal für die Pflanze, die ja zur Fortpflanzung auf ihre Bestäuber angewiesen ist.

Darum kommuniziert die Blüte über ein elektrisches Signal, ob sie noch voll ist oder nicht. Blüten sind normalerweise negativ geladen, Hummeln positiv. Der Besuch einer Hummel verändert die Ladung der Blüte für mehrere Minuten. Dies können anfliegende Hummeln wiederum mithilfe feiner Körperhärchen bereits aus einigen Zentimetern Entfernung wahrnehmen. Ist die Blüte leer, spart sich die Hummel ein unnötiges Landemanöver.

Hummeln verfügen dank ihres guten Gedächtnisses sogar über eine NAVI-Funktion! 

Sie wählen den kürzesten Weg. Eine Flugroute wird nämlich nur dann ein zweites Mal verwendet, wenn sie kürzer als die Alternativroute war. 

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