Schließmundschnecken: versteckt und verdreht

Schon ihr Name lässt darauf schließen, dass die Schließmundschnecken (Clausiliidae) ein außergewöhnliches Merkmal besitzen:

An ihrer Behausung ist ein kleiner Klappdeckel befestigt. Dieses sogenannte „Clausilium“ besteht aus Kalk und hat die Form eines Löffelchens. Über einen elastischen Stiel ist es mit der Spindel, also der inneren Gehäuseachse, verbunden. Während die Schnecke kriecht, ist es innen verstaut. Zieht sie sich zurück, klappt es zu und schließt so den Eingang.

Zwar können auch andere Schnecken ihr Häuschen verschließen. Entweder mit einem am Fuß sitzenden Deckel oder indem sie ein Sekret ausscheiden, dass zu einer kleinen Platte aushärtet. Im Vergleich zur komplizierten Verschluss-Struktur der Schließmundschnecken sind diese Lösungen jedoch eher primitiv.

Völlig verdreht…

Die Schließmundschnecken haben schließlich auch ein ganz besonderes Zuhause: einen kleinen Wohnturm, der ungewöhnlicherweise links herum gedreht ist! Die Windungen verlaufen von der Spitze aus betrachtet gegen den Uhrzeigersinn.

Dass wir den kleinen Turmbewohnern nicht öfters Auge in (Stiel-)Auge gegenüberstehen, liegt an ihrer Vorliebe fürs Versteckspielen. Als Spaltenbewohner können sie sich mit ihrem höchstens knapp zwei Zentimeter langen, schmalen Häuschen perfekt in jeder kleinen Ritze verkriechen. Einige Arten haben sich dabei auf trockene Lebensräume wie Mauern und Felsen spezialisiert, andere bevorzugen Totholz und Laubstreu.

 

Schließmundschnecken sind gute Kletterer. Bei feuchtem Wetter steigen viele Arten an Baumstämmen hoch. Ihr leichtes Gehäuse hängt dabei nach unten.
Foto: Patricia Lechner

Schließmundschnecken sind mit acht bis zehn Monaten ausgewachsen. Das Gehäuse einer erwachsenen Schließmundschnecke hat etwa 12 Umdrehungen. Sie kann mehrere Jahre alt werden.
Foto: Patricia Lechner

Die "Gemeine Schließmundschnecke" (Alinda biplicata) wurde umgetauft, nachdem Forscher herausgefunden hatten, dass sie nicht zur Gattung Balea gehört. In älteren Büchern wird sie noch als Balea biplicata beschrieben.
Foto: wikimedia commons, Alinda_biplicata_(Clausiliidae_sp.),_Elst_(Gld),_the_Netherlands.jpg

Keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt sowohl eine Schließmundschnecke ohne Clausilium, nämlich die Zahnlose Schließmundschnecke (Balea perversa), die an trockenen, felsigen Standorten lebt, als auch die rechtsdrehende Gattung Alopia, die in den Karpaten zuhause ist.
Foto: wikimedia commons, SchneckeWoblitz07

Gut versteckt...

Die meisten der etwa 35 bei uns heimischen Arten leben auf feuchten Standorten und ernähren sich von Algen, welken Pflanzenteilen, zerfallendem Holz, Pilzen und Bakterien. Sie sind damit an totholzreiche Wälder gebunden. Den Winter verbringen die Schließmundschnecken in ununterbrochener Winterstarre – sicher versteckt in alter Baumrinde und natürlich mit verschlossenem Deckel. Ungewöhnlich an den Schließmundschnecken ist auch ihre Fähigkeit, lebende Junge auf die Welt zu bringen. Dabei schlüpfen die Jungtiere schon im Körper der Mutter aus dem Ei.

Kreativheft "Abenteuer Totholz" für Kinder

Die ungewöhnlichste aller Schließmundschnecken ist „Quassel“, gezeichnet von ÖBf-Biosphärenpark-Mitarbeiterin Patricia Lechner. Quassel stellt im neuen Kreativheft interessierten Kindern seinen Lebensraum im Totholz vor. Das Kreativheft steht zum Download zur Verfügung und oder kann per E-Mail gratis bestellt werden. 

Wie die Bundesforste dem Totholz neues Leben einhauchen, können Sie hier nachlesen.

artikel teilen