Asiatische Marienkäfer – Pech für die Glücksbringer

Die kleinen roten Käfer mit den schwarzen Punkten kennt jedes Kind. Marienkäfer sind beliebte Nützlinge und genießen bei uns Menschen schon seit Jahrtausenden den Status eines Glücksbringers. Das beweist ein aus Mammutelfenbein geschnitztes Exemplar, das in Südfrankreich gefunden wurde.

Der bekannteste Vertreter ist der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata). Seit 2006 ist in Österreich auch sein Verwandter, der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) nachgewiesen. Ursprünglich als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel in Gewächshäusern eingesetzt, ist der kleine Käfer mit dem großen Appetit auf Blattläuse aber ins Freie entwischt, hat sich massenhaft vermehrt und heimische Arten dezimiert.

Im Gegensatz zu manchen anderen eingeschleppten Arten kommt er mit dem europäischen Winter gut zurecht. Er überwintert am liebsten gemeinsam mit andern in Felsspalten. Nachdem diese im Siedlungsgebiet eher selten sind, verkriecht er sich in Rollladenkästen und Mauerritzen. Dabei „ruft“ der Entdecker eines geeigneten Winterquartiers mithilfe von Duftstoffen seine Artgenossen herbei. So kann es zu Ansammlungen von hunderten von Käfern kommen.

Fressen und gefressen werden

Marienkäfer-Arten warnen ihre Feinde durch Signalfarben davor, sie zu fressen. Im Notfall greifen sie auf eine spezielle Verteidigungsstrategie zurück: Sie sondern stinkende, schlecht schmeckende Blutflüssigkeit ab. Nicht alle Wirbeltiere zeigen sich davon beeindruckt: Spitzmäuse, Feldsperlinge und Eidechsen verzehren sie trotzdem.

Auch von Spinnen, Baumwanzen und Laufkäfern werden sie gelegentlich verspeist. Am gefährlichsten lebt der Marienkäfer-Nachwuchs. Er wird selbst von Artgenossen gefressen. Dieser Kannibalismus ist mit ein Grund, warum sich die Asiatischen Marienkäfer innerhalb weniger Jahre so erfolgreich verbreiten konnten.

Allerdings ist es nicht so, dass nur die Asiatischen Marienkäfer die Eier, Larven und Puppen der heimischen Arten fressen. Umgekehrt passiert das Gleiche! Während die Asiatischen Marienkäfer den Nachwuchs anderer Marienkäferarten jedoch problemlos verdauen können, überleben die einheimischen Marienkäfer den Verzehr ihrer asiatischen Verwandtschaft nicht lange. Sie infizieren sich mit einem in ihrer Mahlzeit enthaltenen Parasiten. Dagegen kann der Asiatische Marienkäfer diesen Parasiten mithilfe von einem körpereigenen Antibiotikum in Schach halten. Dieses heißt nach der lateinischen Bezeichnung für den Asiatischen Marienkäfer - Harmonia axyridis – Harmonin.

Lebensretter?

Forscher haben in Laborversuchen herausgefunden, dass Harmonin auch die Erreger von Malaria und Tuberkulose abtötet. Mittlerweile wurden noch über fünfzig weitere Substanzen mit antimikrobieller Wirkung im Blut des Asiatischen Marienkäfers entdeckt. Sollte es gelingen, daraus wirksame Medikamente gegen Malaria zu entwickeln, wäre der Ruf als Glücksbringer wiederhergestellt.

 

Der Asiatische Marienkäfer vertilgt fünfmal so viel Blattläuse wie sein europäischer Artgenosse
Foto: Gernot Waiss

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) kommt in mehreren Farbvarianten vor. Ein gutes Erkennungszeichen ist die W-Zeichnung des Kopfschilds. Doch auch diese kann variieren und im Extremfall nur noch einen unförmigen Fleck bilden.
Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster;
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Harmonia.axyridis.adult.3.jpg

Für heimische Arten wie den Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) gibt es Entwarnung: In bereits länger von Asiatischen Marienkäfern besiedelten Gebieten haben sich ihre Bestände wieder erholt und die der Asiatischen Marienkäfer auf einem natürlichen Level eingependelt.
Foto: Patricia Lechner

Der nur drei bis fünf Millimeter „große“ Zweiundzwanzigpunkt (Psyllobora vigintiduopunctata) ernährt sich nicht von Blattläusen, sondern von Mehltaupilzen. Daher findet man ihn oft an jungen, von Mehltau befallenen Eichen. 
Foto: Martina Keilbach

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