Grasfrosch: Verwandlungskünstler mit Risikomanagement

 

Der Grasfrosch (rana temporaria) vertraut seinen Nachwuchs dem Wasser an.

Dabei bevorzugt er zum Ablaichen flache Bereichen stehender oder langsam fließender Gewässer. Die Eier sind mit einer Gallerthülle umgeben, die wie ein Schutzpuffer gegen Stock und Stein wirkt. Außerdem enthält sie einen Kleber, der für den Zusammenhalt mit den Geschwister-Eiern sorgt. So entsteht ein zusammenhängender Laichballen.

Die oberen (Zehn-)tausend

Der Laichballen schwimmt an der Wasseroberfläche und wird von der Sonne erwärmt. Die Eier in der obersten Schicht entwickeln sich dank der Sonneneinstrahlung schneller als die darunterliegenden. Allerdings sind sie dafür der Gefahr des Erfrierens ausgesetzt, falls es doch noch einmal zur Eisbildung kommen sollte.

Der Vorteil flacher Wasserstellen ist, dass sie sich schnell erwärmen. Dafür bergen sie jedoch die Gefahr, dass sie trocken fallen, bevor die Entwicklung zum Frosch (=Metamorphose) abgeschlossen ist. Die Chancen, lebendig an Land zu hüpfen stehen für Grasfroschnachwuchs also denkbar schlecht, da er zudem auch die Lieblingsspeise von Fischen, Libellenlarven und Wasserkäfern ist.

Der Grasfrosch hat sich daher auf eine Risikomanagement-Strategie nach dem Motto „viel hilft viel“ festgelegt: Ein Laichballen besteht aus mehreren tausend Eiern.

Aus diesen Eiern entwickeln sich innerhalb weniger Tage kugelige kleine Kaulquappen, die schließlich aus ihrer Eihülle schlüpfen.

Luftfilteraustausch und Antriebssystem-Optimierung

Mit ihrem kleinen Raspelmund ernähren sich die Kaulquappen zunächst von Algen und Einzellern. Atmen können sie unter Wasser mithilfe von Kiemen. Diese stehen anfangs wie kleine Büschel rechts und links vom Kopf ab. Nach wenigen Tagen werden sie von einer Hautfalte überwachsen. Seltsamerweise bleibt nur auf der linken Seite eine Öffnung erhalten, über die der Gasaustausch funktioniert.

Zur Fortbewegung dient den Kaulquappen ein Ruderschwanz mit Flossensaum. Die Hinterbeine sind bereits etwa nach der Halbzeit der Entwicklung sichtbar. Ihre Vorderbeine lassen die Kaulquappen bis kurz vor der endgültigen Verwandlung zum Frosch in einer Hauttasche versteckt. Der Schwanz bildet sich allmählich zurück und ist bis auf ein Stummelchen verschwunden, wenn die kleinen Grasfrösche nach ca. drei Monaten ihre Laichgewässer verlassen. Bis dahin haben sie auch die Kiemen zurückgebildet und Lungen entwickelt, was für die Luftatmung an Land ganz praktisch ist.

Wirklich erwachsen sind die hüpfenden kleinen Verwandlungskünstler erst mit ca. 3 Jahren. Dann werden sie ihrerseits ein geeignetes Gewässer finden und für Nachwuchs in rauen Mengen sorgen – hoffentlich.

 

 

Seine abgeflachte Schnauze hat dem Grasfrosch in nordischen Ländern den Namen „Buttsnutefrosk“ (norwegisch) oder „Butsnudet frø“ (dänisch) eingebracht, was sich sinngemäß ungefähr mit "Butt(fisch)maul-Frosch" übersetzen läßt.
Foto: ÖBf Archiv_Simlinger

...Wenn man sich einen Steinbutt anschaut, weiß man, warum.
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rodaballo,_Galiza.jpg

Die Färbung von Grasfröschen kann sehr variabel sein, es kommen stark gefleckte Exemplare vor und solche fast ohne Flecken. Abstehende Ohren haben Frösche bekanntlich nicht. Hinter dem Auge, wo das Trommelfell direkt auf der Haut sitzt, haben sie einen dunklen Fleck.
Foto: Gernot Waiss

Der Grasfrosch lebt überwiegend an Land. Daher hat er keine Schwimmhäute zwischen den Zehen der Vorderbeine. Sein Verwandter, der Springfrosch sieht ihm fast zum Verwechseln ähnlich. Dieser hat jedoch eine spitzere Schnauze und längere Hinterbeine, mit denen er seinem Namen alle Ehre macht und bis zu 2 Meter weit springen kann.
Foto: Gernot Waiss

Sein Ruf klingt wie leises Schnarchen oder das entfernte Brummen eines alten Motors. In der Schweiz wurde er, so steht es in der Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft von 1838 „Gras-Rääg“ genannt: „So heisst schweizerisch die rana temporaria Linne gras-rääg und räggen heisst, widrige Töne hören lassen, also was wir röcheln nennen.“
Foto: ÖBf Archiv/G. Oitzinger

Ein Laichballen kann aus bis zu 5.000 Eiern bestehen. Trotz dieser Überlebensstrategie werden Grasfrösche in den letzten Jahren immer seltener.
Foto: Martina Keilbach

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