Igel – sparsame Heckenschweinchen

Im Moment schläft er, der West- oder Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Vermutlich hat er im Herbst unter schützenden Brombeerranken oder in einer dichten Hecke trockene Blättern angehäuft, sich hineingewühlt und so lange gedreht, bis die Blätter eine feste Wand bildeten. Solange die Temperaturen nicht über 12-15 Grad steigen, bleibt er im Energiesparmodus.

Überraschung!

Wenn er heuer aufwacht, erwartet ihn eine Überraschung: Er ist das Tier des Jahres 2018!
Jedes Jahr werden andere Tier- und Pflanzenarten nominiert, um auf ihre mögliche Gefährdung aufmerksam zu machen. Neben dem Igel wurde z.B. auch der Tigerschnegel (als Weichtier des Jahres) nominiert. Dieser ist jedoch nicht durch Igel gefährdet, sondern nur durch die Verwendung von Schneckenkorn. Igel essen lieber Würmer, Käfer, Larven und Raupen. Schließlich gehören sie zur Ordnung der Insektenfresser (Insectivora).

Ein alter Trick

Unter unseren heutigen Säugetieren haben die Igel keine nahen Verwandten. Mit anderen stacheltragenden Tieren wie Stachelschweinen oder Seeigeln sind sie überhaupt nicht verwandt. Ihr Kugeltrick zur Feindesabwehr ist schon Jahrmillionen alt. Und ihre Stacheln haben sich damals irgendwann aus Haaren entwickelt. Dementsprechend fallen laufend welche aus und neue wachsen nach. Ein kompletter „Fellwechsel“ im Frühjahr wäre für den Igel sehr unpraktisch.

Sauerei!

Igel haben noch eine seltsame Eigenheit: Wenn sie spezielle Gerüche wahrnehmen, produzieren sie schaumigen Speichel, den sie sich in die Stacheln schmieren. Igel besitzen im Gaumen ein Sinnesorgan, das wir Menschen nicht mehr haben: das Jacobsonsche Organ. Es dient der Wahrnehmung von wichtigen Geruchs- und Geschmackseindrücken bei der Kommunikation mit Artgenossen. Durch beschnuppern, lecken und kauen gelangen die Duftstoffe in den Speichel. Dieser wird dann durch eine schlauchartige Verbindung hinter den Schneidezähnen zum Gaumendach befördert, wo der Igel den Geruch mithilfe des Jacobsonschen Organs überprüft. Im Gegensatz zu „normalen“ Riechzellen gibt es bei diesem speziellen Organ keinen Gewöhnungseffekt. Anscheinend muss es nach Gebrauch gereinigt werden, darum spuckt der Igel den Speichel wieder aus. Warum er diesen aber auf dem ganzen Körper verteilt, ist noch nicht erforscht.
Seine Grunzlaute haben ihm auf Englisch den Namen „hedgehog“ eingebracht, was so viel bedeutet wie „Hecken-Schwein“.

 

Mehr Infos zum Tier des Jahres finden Sie auf den Seiten des österreichischen Naturschtzbunds

Der West- oder Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) ist das Tier des Jahres 2018 in Österreich. Im Mittelalter wurden Igel als „Hexentiere“ verfolgt. Mittlerweile haben sie ein besseres Image.
Foto: Patricia Lechner

Igel mögen Obst nicht besonders. Lieber sind ihnen die Würmer im Apfel.
Foto: Patricia Lechner

Eigentlich sind Igel nachtaktiv. Als Kulturfolger, denen ihr ursprünglicher Lebensraum mehr und mehr abhanden kommt, kann man ihnen nun oft auch in Gärten begegnen. 
Foto: Patricia Lechner

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