Weiße Mäusefänger

Ein auffälliger, großer weißer Vogel sorgt um diese Jahreszeit für erstaunte Blicke:
Ein Graureiher im Winterkleid? Schneehasen, Hermeline und Alpenschneehühner werden im Winter weiß. Aber Reiher?

Keineswegs, der heimische Graureiher (Ardea cinerea) bleibt auch im Winter grau.

Bei dem weißen Reiher handelt es sich um einen Verwandten, der sich für einige Zeit in unseren Breiten aufhält: Den Silberreiher (Ardea alba), dessen lateinischer Name wörtlich übersetzt „weißer Reiher“ bedeutet. Er ist fast auf allen Kontinenten verbreitet und war auch in Mittel- und Westeuropa ein häufiger Brutvogel.

Während der Graureiher lange Federn als Kopfschmuck trägt, besitzt der Silberreiher am Rücken lange, fein aufgeästelte Schmuckfedern. Diese waren im ausklingenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein „must have“ der Hutmode, der fast alle Silberreiherbestände Europas zum Opfer fielen.

In den letzten Jahren ist der auffällige Schreitvogel hierzulande wieder häufiger zu beobachten. Die Bestände haben sich langsam erholt. Mittlerweile brüten am Neusiedler See sogar wieder mehrere hundert Vögel. In anderen Gebieten Österreichs sind sie nur Wintergäste aus Osteuropa, die das mildere Klima im Westen zu schätzen wissen oder Durchzügler auf dem Weg in den Süden.

Mahlzeit!

An eisfreien Flüssen und Seen lauern die Reiher im flachen Wasser ihrer Hauptnahrung, den Fischen, auf. Dabei sind Silberreiher keine reinen Fischfresser. Sie haben gelernt, auf Mäuse und andere Kleinsäuger sowie wirbellose Tiere in den umliegenden Wiesen auszuweichen. In der kalten Jahreszeit decken sie so einen großen Teil ihres Energiebedarfs.

Während andere Wasservögel wie Flamingos ihre rosa Färbung über die Nahrung erhalten, sind die Silberreiher mit ihrem eleganten weißen Federkleid jedoch nicht auf weiße Mäuse angewiesen.

 

Der frühere lateinische Name des Silberreihers lautete Casmerodius albus.
Foto: Gernot Waiss

Die schönen weißen Federn wurden dem Silberreiher (Ardea alba) beinahe zum Verhängnis.
Foto: Ilkerbruch_Silberreiher_1 By PeterRohrbeck Own work via Wikimedia Commons

Im Gegensatz zu Störchen streckt ein Reiher im Flug seinen Hals nicht aus. 
Foto: Ardea_alba_in_flight,_Morro_Strand_State_Beach_-_by_Mike_Baird_wikimedia commons

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