Wasserspinnen: Ausnahmetalente im Teich

Wenn die Außentemperaturen steigen, finden wir Badegelegenheiten in der Natur besonders attraktiv. In besonders sauberen Teichen, Seen und langsam fließenden Gewässern hält sich ganzjährig ein Tier auf, das man eigentlich nicht im Wasser vermuten würde:

Die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) ist weltweit die einzige Spinnenart, die ihr gesamtes Leben unter der Wasseroberfläche verbringt. Sie lebt im dichten Wasserpflanzendschungel. Dabei hat sie keine Kiemen.

Wie macht sie das?

Auch Spinnen müssen atmen. Der Gasaustausch – also die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid – geschieht allerdings über ihre Körperoberfläche. Genauer gesagt über ihren Hinterleib.

Dieser ist mit feinen, wasserabweisenden Härchen bedeckt, die es der Spinne ermöglichen, einen Luftvorrat mit unter Wasser zu nehmen. Sie kommt, mit der Bauchseite voran, regelmäßig an die Oberfläche, streckt den Hinterleib aus dem Wasser und zieht ihn mit einer ruckartigen Bewegung zurück. So bildet sich eine glitzernde Lufthülle, in der die Spinne atmen kann.

Da dieses Manöver Fressfeinde anlocken kann, hat die Spinne eine Methode entwickelt, die ihr häufiges Auftauchen erspart: Sie streckt zusätzlich die Hinterbeine aus dem Wasser, klemmt eine Luftblase zwischen Hinterleib und Hinterbeine und transportiert diese zu einem dichten, waagrechten Netz, das sie zwischen Wasserpflanzen gewebt hat. Angefüllt mit Luftblasen wölbt sich das Netz nach oben und bildet so eine Art Taucherglocke.

Auto-Refill-Function inclusive

Besonders praktisch ist, dass aufgrund des im Wasser herrschenden Sauerstoff-Partialdrucks zusätzlicher Sauerstoff aus dem Wasser in die Luftblase diffundiert. Dass die Luftblase trotzdem gelegentlich neu befüllt werden muss, liegt nicht am Sauerstoffgehalt, sondern am Stickstoff: Er diffundiert im Gegensatz zum Sauerstoff aus der Blase heraus, sodass die Taucherglocke mit der Zeit schrumpft.

Diese Lufthülle ist jedoch mehr als ein Sauerstoffspeicher: Hier frisst die Spinne, paart sich und zieht ihre Jungen auf. Für Häutungen und zum Überwintern werden spezielle Glocken gebaut. 

 

Normalerweise sind Spinnenweibchen größer als Spinnenmänchen. Auch hier bildet die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) eine Ausnahme: Das Männchen ist mit 15 mm etwa einen halben Zentimeter größer als das Weibchen.
Foto „Argyroteta aquatica Männchen.jpg“ von Norbert Schuller Baupi/Wikimedia Commons (Lizenz CC BY-SA 3.0)

Auch die entfernt verwandte Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) hat den Lebensraum Wasser für sich entdeckt. Sie kann schwimmen und jagt an der Wasseroberfläche. Den Trick mit der Lufthülle um den haarigen Körper hat sie ebenfalls drauf und kann daher bei drohender Gefahr oder zum Jungfische fangen abtauchen.

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