Tourismus und Naturschutz - Platz für alle Ansprüche?

10.04.2017 /Einblicke

Das „Alpenidyll“ Österreich mit malerischen Bergen, glasklaren Seen und lauschigen Wäldern zieht jährlich Millionen von Gästen an. Unsere Naturlandschaft verkauft sich gut, jedoch hinterlässt die touristische Nutzung ihre Spuren.

Steigende Bevölkerungszahlen, Verstädterung und die damit verbundene Wiederentdeckung der Natur sorgen für Brisanz und Aktualität der Thematik. Bei den 4. Ausseer Naturraumgesprächen diskutierten und beleuchteten ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis die Frage, ob Tourismus und Naturschutz auf denselben Flächen Platz finden. Über 100 TeilnehmerInnen kamen auf Einladung des LIFE+ Projekts "Ausseerland" der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) am 4. April 2017 nach Bad Aussee.

Mit der steigenden Sehnsucht der Menschen, nimmt auch der Druck auf die Natur zu. ÖBf-Vorstand Georg Schöppl skizzierte, wie die Bundesforste damit umgehen und betonte die Wichtigkeit von FairPlay-Spielregeln im Wald. Denn der Wald ist für alle da, ein aktiver Interessensausgleich ist heute wichtiger denn je. Schöne Landschaften sind anziehend - auch für den Tourismus. Naturnaher Tourismus ist nachhaltiger, könnte man meinen. Das dem nicht immer so ist, weiß Karl Reiner von der ÖAR Regionalberatung und berichtete von Vorzeigebeispielen, wie eine nachhaltige Dienstleistungskette vom Wald zum Touristen aussehen kann und welche Rolle Schutzgebiete in diesem Zusammenhang spielen. 

Naturschutzgebiete als attraktive Ausflugsziele - Kinder beim Löckermoos in Gosau (OÖ)
Foto: ÖBf/S. Gamsjäger

Das „Alpenidyll“ Österreich mit malerischen Bergen, glasklaren Seen und lauschigen Wäldern zieht jährlich Millionen von Gästen an. 
Foto: ÖBf/F. Pritz

Das Ausseerland - Heimat des größten ÖBf-Naturschutzprojektes LIFE+ "Ausseerland".
Foto: ÖBf

Urlaub in der und für die Natur - bei sogenannten "Umweltbaustellen" lässt sich Freiwilligenarbeit mit Urlaub verbinden. Die Motivation der TeilnehmerInnen ist unterschiedlich, weiß Hanna Moser, Bundesjugendsekretärin der Alpenvereinsjugend. Dass der Wald medizinisch nachweisbare positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen hat, haben die Japaner bereits früh erkannt und bieten heilendes "Waldbaden" an. Auch hierzulande ist Gesundheitstourismus längst kein Fremdwort mehr - Georg Christian Steckenbauer, Professor an der IMC FH Krems, sieht Potential für ausgewiesene Kur- und Heilwälder.

Auch Schutzgebiete werden vom Tourismus vermarktet. Bringt Naturschutz also Geld ein? Dieser Thematik widmete sich Verena Hohenwarter vom Büro REVITAL und erörterte, wie sich Naturschutz in Zahlen gießen lässt und welche Herausforderungen dies birgt. Fest steht, es gibt Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Naturschutz, die Einschränkungen und Chancen aufzeigen. Elisabeth Kreimer vom E.C.O. Institut für Ökologie zeigte die Diskrepanz und mögliche Lösungen hin zu einem naturverträglichen Tourismus auf. Mit Massenandrang hat etwa der Nationalpark Donau-Auen zu kämpfen, mitunter bedingt durch die Nähe zu den Städten Wien und Bratislava - jährlich besuchen rund 1,5 Millionen Menschen das Schutzgebiet. Wie damit umgegangen wird, erläutert Matthias Kuhn, Zuständiger für Umweltbildung im Nationalpark Donau-Auen.

Mehr dazu: Details und Vortragsunterlagen

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