LIFE+ Projekt Ausseerland

Naturschutzprojekt für Naturwald, Moore und Lebensraumverbund im Ausseerland

Zwischen Land und Wasser – Ökosystem Moor

Als Übergangszone zwischen festem Land und Wasser bilden Moore einen ökologisch einzigartigen Lebensraum, der die Menschheit seit jeher fasziniert.

Dennoch zählen Moorlandschaften weltweit zu den am meisten bedrohten Ökosystemen. Viele sind in den letzten Jahrhunderten entwässert worden, um Weide-, Verkehrs- und Siedlungsflächen zu schaffen oder um Torf abzubauen. Rund 90 % der Feuchtbiotope in Österreich gingen dabei verloren.

100 Interessierte nahmen an den 5. Ausseer Naturraumgesprächen auf Einladung des LIFE+ Projekts "Ausseerland" der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) und des Naturschutzbundes Steiermark am 24. und 25. Oktober 2017 in Bad Mitterndorf teil. Eine ganztägige Exkursion führte in die Moore, um mögliche Sanierungsmaßnahmen herzuzeigen und die Begeisterung für Moore zu wecken.

Mysterium Moor
Seit jeher ist die Menschheit von Mooren fasziniert. Galten Moore in früheren Zeiten noch als sagenhafte Orte des Schreckens oder der Verehrung, so wurden sie im Zeitalter der Industrialisierung genutzt sowie ausgebeutet und versetzen uns heute dank ihrer hochspezialisierten Fauna und Flora immer wieder aufs Neue in Erstaunen. Reinhard Kaiser Obmann des Torferneuerungsverein Bürmoos spannte zum Einstieg einen geschichtlichen Bogen von der Entstehung des Moors hin zu den Bemühungen es heutzutage zu retten und zu erhalten.

Feuchtgebiete in Österreich
Eine Erhebung der Moortypen in Österreich ist schwierig, da Moore komplex sind und die ExpertInnen verschiedene Herangehensweisen haben: So betrachten die einen das Moor aus hydrologischer Sicht, andere beobachten nur die Vegetation etc. „Sollte man einfach alle Moore unter Schutz stellen?“ warf Mag. Christian Schröck, Torfmoos-Experte vom Oberösterreichischen Landesmuseum, als Frage in die Runde. Im Prinzip sind intakte Moore schützenswerter als jene, die durch Drainage-Gräben beeinflusst wurden. Naturschutzbemühungen sollten gezielt und mit einem Plan vorgenommen werden, sodass Moore nicht zu Tode gepflegt werden.

Moorschutz aktiv
Die Österreichischen Bundesforste engagieren sich seit mehr als 20 Jahren für den Moorschutz und setzen seit jeher Sanierungsprojekte um. Derzeit werden neun Moore im Ausseerland im Rahmen des von der EU geförderten LIFE+ Projektes „Ausseerland“ verbessert – durch das Entfernen von unerwünschten Gehölzen und den Einbau von Spundwänden.
Auch in Mooren, wo es keine negative Beeinflussung des Wasserhaushaltes gibt, existieren große Baustellen, weiß Manuela Kalkhauser, Schutzgebietsbetreuerin des NSG Schwemm zu berichten. So beherrscht die Bekämpfung von Neophyten (wie etwa dem Springkraut) seit zwei Jahren ihre Arbeit und seit neuestem sorgt der Biber für Überschwemmungen.

 

Spezialisten im sauren Milieu
Der Sonnentau ist die Moorpflanze schlecht hin. „Doch welche Moortiere kennen Sie?“, fragte Dr. Thomas Frieß vom ÖKOTEAM das Publikum. Einige Falterarten sowie Spinnen wurden genannt. Tyrphophile Arten, also solche, die auf Torf von Hochmooren angewiesen sind, gibt es an die 1000 Arten in Österreich. Warum sie dieses Ökosystem bevorzugen und ob sie anderswo auch überleben könnten, ist nicht näher untersucht. Man weiß rein wissenschaftlich sehr wenig über die Laufkäfer, Wanzen und Zikaden etc. im Moor.

Lokale Wirkung von Mooren
Moor haben die Fähigkeit viel Wasser zu speichern und langsam abzugeben. Dabei kühlen sie die Atmosphäre. In einer Welt ohne Moore nimmt der Oberflächenabfluss zu, Böden werden erodiert und der Klimawandel beschleunigt. In Gebieten wie den Niederlanden oder Indonesien holt sich das Meer Landflächen. „In Österreich sind wir soweit, dass 90 % der Moorböden ihre ökologische Funktion nicht wahrnehmen können und wir diese Funktion für immer verlieren!“, warnt Dr. Stephan Glatzel, Professor an der Universität Wien.

Mehr vom Moor
In Form von kurzen Impulsen wurden drei Moor-Themen angesprochen.
Auf jede Moorfläche in Österreich kommen verschiedene Stakeholder, die andere Ziele verfolgen. Viele Moore sind in großflächige Weidebereiche inkludiert und die Landwirte erhalten eine Förderung dafür. Die Weide kann jedoch negative Auswirkungen auf das Moor haben. Dies muss in jedem einzelnen Fall von ExpertInnen beurteilt und angesehen werden. „Beweidung ist möglich, jedoch mit angepassten Rassen und Tierarten und in einem Maße, das dem Moor nicht schadet“, ist sich Dr. Karin Hochegger, Schutzgebietsbetreuerin sicher.

Der Naturschutzbund besitzt einige Moorflächen im Ennstal und Ausseerland, welche regelmäßig gepflegt werden. Wenn es sich ergibt, werden wertvolle Flächen aufgekauft und unter Schutz gestellt. Gerhard Schmiedhofer vom Naturschutzbund Ennstal-Ausseerland zeigte mit eindrucksvollen Bildern, welchen Naturschatz der Naturschutzbund hier erhält.

Moorsanierung und -pflege sind kostspielige Maßnahmen, die dem Grundbesitzer wirtschaftlich nichts bringen. Deshalb gibt es Förderungen, die mit dem Ziel der Erhaltung unserer Moorflächen Naturschutzprojekte unterstützen können. Der bürokratische Aufwand ist oftmals sehr hoch, weshalb sich eine Förderung erst bei einer Höhe von 30.000 Euro rentiert. DI Josef Forstinger von der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich beruhigt, dass es auch für kleinere Aktionen finanzielle Mittel gäbe – allerdings über die reine Landesförderung. Deshalb sind Naturschutzstiftungen als Fördergeber sicherlich auch eine interessante Quelle.

Über den Sinn von Moor-Renaturierungsmaßnahmen und die Komplexität von Mooren wurde in den Pausen und im Anschluss an die Vorträge noch lange philosophiert und diskutiert. Am folgenden Tag begaben sich die Teilnehmenden direkt ins Moor. Die Exkursionen wurden aufgrund des Schneefalls zusammengelegt und so besichtigten 55 TeilnehmerInnen drei Moore im Talbereich des Ausseerlandes.

Zur Nachlese: Vortragsunterlagen

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