Fachdialoge

10. NRM-ExpertInnenforum "Klimafitter Schutzwald"- Exkursion

Am 16.09.2019 veranstalteten die ÖBf im Rahmen des Naturraummanagement-ExpertInnenforums eine Exkursion zum Schutzwaldprojekt „Höllengebirge“ im Forstrevier Mitterweißenbach unter dem Motto „Klimafitter Schutzwald“. Eingeladen waren VertreterInnen aus dem Naturschutzbereich und der Wissenschaft. Ziel der Exkursion war es, einen Einblick in die vielfältige Thematik Schutzwald zu geben und im Gelände Herausforderungen und Lösungsansätze beim Management zu diskutieren.

Unbestritten ist, dass viele Täler in Österreich ohne Schutzwald nicht bewohnbar wären, bzw. mit aufwändigen technischen Verbauungen, sei es gegen Lawinen, Steinschlag oder Hochwasser so gut wie möglich geschützt werden müssten. Zur nachhaltigen Sicherung der Stabilität und Resilienz der Schutzwälder und ihrer Ökosysteme auch in Zeiten des Klimawandels, wurde im Zuge des ÖBf-Projektes „Ökologie und Ökonomie“ die Schutzwaldstrategie der ÖBf angepasst. Von rund 510.000 ha Wald, den die ÖBf bewirtschaften, sind rund 150.000 ha Schutzwald. Auch diese Zahlen zeigen die Bedeutung, die der Schutzwalderhaltung bei den ÖBf zukommt.

Nach kurzer Begrüßung und Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen wurden die Eckpunkte des Schutzwaldprojektes Höllengebirge erläutert. Das Projektgebiet umfasst 10.500 ha: davon sind 6.125 ha als Wald ausgewiesen, mit einem Anteil von 2.900 ha an Schutzwald. Die Böden im Kalkgestein wechseln zwischen tiefgründigen, tonreichreichen Karbonatstandorten bis zu seichtgründigen Rendzinen auf südexponierten Hängen. Die natürlichen Waldgesellschaften sind der Buchen-Fichten-Tannenwald und der Buchen-Fichten-Lärchenwald.

Anhand einer ehemals gezäunten Fläche im Bereich der Niederen Rehstadt konnte auch anschaulich das Potenzial an Laubholzbaumarten im Gebiet gezeigt werden. Passend dazu wurden die neu entwickelten Bestockungsziele diskutiert. Im Höllengebirge ist eine Erhöhung des Tannenanteils auf 12 % vorgesehen und eine Förderung der Buche in allen Beständen, sodass ein Buchen-Anteil von 29 % erreicht wird. Anhand dieser Fläche konnten auch die Herausforderungen bei der Jagd aufgezeigt und diskutiert werden. Das Wildtiermanagement wird im Jagdrevier Mitterweißenbach durch die ÖBf selbst durchgeführt. In anderen Teilen des Projektgebietes wird mit Abschussverträgen gearbeitet. Erste Erfolge, eine Abnahme der Verbissschäden durch eine Erhöhung der Abschüsse in den letzten Jahren, konnten anhand von Grafiken gezeigt werden. Diese Bemühungen und die gute Zusammenarbeit mit den Jagdkunden im Gebiet sollen auf alle Fälle weiter geführt werden.

Durch eine Monitoringfläche am Fürstenbergschlag wurde eindrucksvoll gezeigt, wie lange die Verjüngungsphase im Gebiet dauern kann: auf skelettreichen, feinerdearmen Karbonatstandorten kann der Weg zu einer gesicherten Verjüngung oft bis zu 20 Jahre in Anspruch nehmen. Hier wurde auch das neue interne Ampelsystem für die Einteilung der Schutzwaldflächen nach Sanierungsdringlichkeit erläutert. Dazu werden die Anzahl der Schichten, der Bestockungsgrad, das Alter, die Neigung sowie die Verjüngung gesamthaft betrachtet, sodass je Bestand ein „Ampelwert“ vorliegt.

Auch Naturschutzmaßnahmen der ÖBf waren Thema: Der Revierleiter führte die Exkursionsgruppe zu einem angelegten Tümpel. Gerade solche Strukturen sind Mangelware und unterstützen seltene Arten wie z.B. die Gelbbauchunke, die bereits zu sehen war. Die jährlich von den RevierleiterInnen durchgeführten Naturschutzmaßnahmen, ca. 1.400 pro Jahr, und die darauffolgende Naturschutzberatung wurden mit Interesse registriert. An dieser Stelle wurde nochmals das Bekenntnis zur Integration von Naturschutzmaßnahmen in den Revieralltag bekräftigt.

Durch die Exkursion wurde auch bestätigt, dass Schutzwälder vorallem durch ihr hohes Alter besonders wertvolle Ökosysteme darstellen. Die Sorge, dass es in Zukunft zu einer vermehrten Nutzung und damit einer Beeinträchtigung kommen wird, konnten die ÖBf-VertreterInnen nicht teilen.

Die Exkursion war generell geprägt durch eine offene Diskussion rund um Fragen zum Management der ÖBf im Schutzwald, mit vielfältigen Fragen seitens der VertreterInnen aus dem Naturschutzbereich.

 

ExkursionsteilnehmerInnen waren:

  • Birgit Mair-Markart, Naturschutzbund Österreich
  • Karin Enzenhofer und Bernhard Kohler, WWF
  • Gerald Pfiffinger und Christian Fraissl, Umweltdachverband
  • Norbert Pühringer, BirdLife
  • Eduard Hochbichler, Universität für Bodenkultur
  • Martin Donat, Umweltanwaltschaft Oberösterreich

 

Gesprächspartner seitens der ÖBf waren:

  • Rudolf Freidhager (Vorstandssprecher, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz)
  • Norbert Putzgruber (Leiter der Stabsstelle Wald-Naturraum-Nachhaltigkeit)
  • Kurt Wittek (Forstbetriebsleiter Inneres Salzkammergut)
  • Martin Stürmer (Forstbetriebsleiter-Stv. Inneres Salzkammergut)
  • Gerald Plattner (Leiter Naturschutz und Naturraummanagement)
  • Erich Dietmüller (Revierleiter Forstrevier Mitterweißenbach)
  • Johanna Erhardt (regionale Naturraummanagerin)
  • Christina Laßnig-Wlad (Naturschutz und Naturraummanagement)

 

 

 

 

 

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