Einblicke & Aktuelles

IÖG-Projekt

Fortsetzung der Kartierung fischfressender Vögel an Traun und Alm

Mit Beginn des Kormoran-Zuges in die Überwinterungsgebiete werden auch die Kartierungen der fischfressenden Vögel an Traun und Alm fortgesetzt. Zwischen Ende September 2020 und März 2012 werden die fünf MitarbeiterInnen der Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie & Jagdwirtschaft, erneut in den frühen Morgenstunden im Untersuchungsgebiet die Erhebungen durchführen.

Die vorkommenden Kormorane, Graureiher und Gänsesäger werden hierbei regelmäßig gezählt und ihr Verhalten erfasst. So können einerseits räumliche Schwerpunkte identifiziert und andererseits wichtige Erkenntnisse für die Beurteilung des Prädationsdrucks an Traun und Alm abgeleitet werden.

Interessierte sind wieder herzlich eingeladen, die Kartierenden während der Erhebungen zu begleiten. Eine Terminübersicht finden Sie nachfolgend. Für weitere Informationen bitten wir rechtzeitig um Kontaktaufnahme unter josephin.boehm (at) boku.ac.at"

Lebensraumanalyse: Wo laichen Bachforellen und Äschen in der Traun?

Ein hartes Pflaster für unsere Fische?

Im Herbst 2019 wurde im Projektgebiet eine Lebensraumanalyse mit Fokus auf Bachforellen und Äschen durchgeführt. Im Zentrum stand dabei die Suche nach potentiellen Laichhabitaten in Traun und Alm.

Zusätzlich zu den grundlegenden Charakteristika eines Gewässers -  Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit, Strukturen im Gewässer und am Ufer und Gewässerverbauung, ging man den beiden Gewässern aber auch buchstäblich auf den Grund: Also wie ist das Bach- bzw. Flussbett beschaffen?

Nur ein lockerer, kiesiger bis schottriger Untergrund mit ausreichend durchströmten Lückenraum ermöglicht es Bachforellen und Äschen ihre Laichgruben anzulegen und nach der erfolgreichen Eiablage wieder mit Kies zu bedecken. Der lockere Schotter wird ausreichend von Wasser durchströmt und versorgt die Eier mit dem für die Entwicklung notwendigen Sauerstoff und bietet Schutz gegen Fressfeinde und Umwelteinflüsse.

Abhängig von Fließgeschwindigkeit und Sedimentfracht, lagern sich Feinsedimente im Kies ab. Dadurch wird der Lückenraum mehr und mehr verklebt und verfestigt, wodurch wiederum die Versorgung der Fischeier mit Sauerstoff reduziert wird. Je mehr Feinsedimente eingelagert werden, umso kleiner wird der Lückenraum und umso schwerer ist es für die Fische ihre Laichgruben durch Schläge mit der Schwanzflosse in das Flussbett zu graben. Der Prozess einer solchen Verfüllung und Verfestigung des Lückenraums im Flussbett wird Kolmation genannt.

Die Lebensraumanalyse erfolgte im Herbst, da in dieser Zeit der geringe Wasserstand eine Untersuchung von Bereichen ermöglicht, die im Rest des Jahres unter Wasser liegen. Die Auswahl der zu kartierenden Flächen erfolgte in mehreren Schritten: Zunächst wurde das Projektgebiet anhand von Luftbildern nach geeigneten Flachwasserbereichen mit einer Größe von einigen wenigen bis zu mehreren hundert Quadratmeter untersucht. Im nächsten Schritt erfolgte dann am Fluss die Beurteilung der 255 Stellen auf deren Tauglichkeit als Laichplatz. Von den 170 an der Traun und 85 an der Alm gelegenen Flächen wurden133 Stellen genauer untersucht und entsprechend kartiert.

Die Stellen wurden entsprechend ihrer Merkmale beschrieben, Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten festgehalten und dann das Sediment bezüglich der Kolmation untersucht. Die Beschreibung des Kolmationsgrades reichte dabei von „keine Kolmation“, entspricht der Schulnote 1 das Substrat besteht aus Steinen und Kies, der Lückenraum ist dominant grobporig und es findet sich nur wenig Sand- und Feinmaterial bis hin zu „vollständige Kolmation“, entspricht Schulnote 5 das Substrat ist stark verfestigt, die Kontaktflächen zwischen dem Kies sind praktisch flächendeckend mit kohäsiven Feinpartikeln verfüllt und es ist kein Lückenraum mehr sichtbar.

Von den 133 untersuchten Stellen konnten 74 als potentielle Laichhabitate identifiziert werden. Davon befinden sich 38 entlang der Traun und 36 entlang der Alm. Etwa zwei Drittel dieser potentiellen Laichhabitate zeigten eine mittlere bzw. starke Verdichtung des Lückenraums (Kolmationsgrad 3 und 4), wobei die Note 4 nur die Traun betraf.

Das Ergebnis zeigt leider, dass es große Defizite im Laichsubstrat und somit in der Möglichkeit zur Reproduktion für Bachforelle und Äsche gibt. Von den oben erwähnten 38 potenziellen Laichhabitaten an der Traun erfüllen lediglich 11 das ausschlaggebende Kriterium keine bzw. schwache Kolmation und stehen somit als funktionierender Laichplatz zur Verfügung. An der Alm konnten aber auch nur 14 der 36 untersuchten Laichplätze als tauglich befunden werden.

Dieses Ergebnis wird daher als klarer Auftrag für die vorgesehenen Umsetzungen zur Verbesserung der Laichgebiete - sowohl in ihrer Anzahl als auch deren Eignung - gesehen.

 

Laichgebiete verbessern

Aufbauend auf die Daten der Lebensraumanalyse werden unterschiedliche Verbesserungsmaßnahmen gesetzt. Ziel ist es, die Anzahl von Laichplätzen zu erhöhen und die Strukturvielfalt im Gewässer selbst zu verbessern.

Geplante Maßnahmen an der Traun:

  • Manuelle Auflockerungen des Substrates in potenziellen Laichhabitaten
  • Gezieltes Einbringen von Kies und Schotter
  • Einbringen von verankerten Wurzelstöcken, Störsteinen oder anderen strukturgebenden Elementen

Geplante Maßnahmen an der Alm:

  • Einbringen von Totholzstrukturen und Raubäumen
  • Manuelle Auflockerungen des Substrates in potenziellen Laichhabitaten
  • Einbringen von verankerten Wurzelstöcken, Störsteinen oder anderen strukturgebenden Elementen

Die für März bzw. April 2020 geplanten manuellen Auflockerungen durch die lokalen Fischereivereine konnten aufgrund des Auftretens von COVID19 leider nicht umgesetzt werden. Sie wurden daher auf Herbst 2020 bzw. das Frühjahr 2021 verschoben.

Bis zum voraussichtlichen Projektende 2022 werden noch weitere Maßnahmen umgesetzt und so langfristige Verbesserungen für die Reproduktionsmöglichkeiten der Fische in Traun und Alm durchgeführt.

 

ÖBf-Archiv/H.Ficker: Auf der Suche nach passenden Laichplätzen für Bachforelle und Äsche an der Alm
ÖBf-Archiv/H.Ficker: Auf der Suche nach passenden Laichplätzen für Bachforelle und Äsche im Projektgebiet
ÖBf-Archiv/C.Ratschan: Äschen (Thymallus thymallus) beim Laichen: Das Männchen mit der rot gefärbten Flosse legt dabei direkt die Flosse über das Weibchen
ÖBf-Archiv/C.Ratschan: Äsche (Thymallus thymallus), juvenil
ÖBf-Archiv/C.Ratschan: Dottersackbrut einer Bachforelle (Salmo trutta f. fario)
ÖBf-Archiv/C.Ratschan: Bachforelle (salmo trutta f. fario), juvenil

Bestandserhebung Vögel

Herbst & Winter 2019/20

Die Kartierung fischfressender Vögel geht für diesen Winter in die Endphase über

Bereits seit Ende September 2019 werden die im Projektgebiet tagsüber vorkommenden Kormorane, Graureiher und Gänsesäger regelmäßig gezählt und ihr Verhalten erhoben. So können einerseits räumliche Schwerpunkte identifiziert und andererseits wichtige Erkenntnisse für die Beurteilung des Prädationsdrucks an Traun und Alm abgeleitet werden.

Noch bis Ende März werden die fünf Mitarbeiter der Universität für Bodenkultur Wien die Kartierungen durchführen. Die Erhebungen werden dann im Herbst 2020, mit der erneuten Rückkehr der Kormorane bzw. dem Durchzug in die Überwinterungsgebiete, fortgesetzt.

Masterarbeit über die Nahrungsökologie der Kormorane

Im Rahmen einer zusätzlichen Masterarbeit, die von einer Studentin der Universität für Bodenkultur Wien verfasst wird, werden weitere wichtige Erkenntnisse über die Nahrungsökologie der in der Region vorkommenden Kormorane erlangt. Hierfür werden neben den PIT-Tags, mit denen tausende Fische im Projektgebiet markiert wurden, auch Speiballen gesucht und aufgesammelt. Das weißliche Drüsensekret aus dem Magen der Vögel enthält unverdaute Nahrungsreste, wie Schuppen und Knochen. Anhand kleinster Unterschiede in ihrer Form und Struktur ist es möglich, die Beutetiere zu bestimmen – viele sogar bis auf Artniveau. Mit dieser Analyse können für das IÖG-Projekt ergänzende Aussagen über die Nahrungswahl der Kormorane getroffen werden.

 

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