BP Wienerwald

Flechte des Jahres 2021

Die Gewöhnliche Mauerflechte (Lecanora muralis) ist mit kaum einer anderen Flechtenart zu verwechseln.

Ihre grünlich-weißen Fruchtkörper wachsen auf Felsen und Kieselsteinen und können einen Durchmesser von bis zu 10 cm erreichen. Anders als viele andere Lebewesen profitiert die Gewöhnliche Mauerflechte von der Ausweitung menschlicher Siedlungsräume. Mittlerweile ist sie an nahezu jedem Gebäude anzutreffen, man findet sie auf Mauern, Dachziegeln und Waschbetonplatten. In England wird sie übrigens "chewing-gum lichen", also „Kaugummi-Flechte“ genannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Flechten ist sie sehr trockenheits- und schadstofftolerant. Außerdem profitiert sie vom zunehmenden Nährstoffangebot. Ist dieses vorhanden, kann sie pro Jahr bis zu 3 mm wachsen.  

Flechten sind keine Pflanzen wie oft angenommen wird, sondern entstehen aus einer Symbiose, meist zwischen einer Alge und einem Pilz. Diese Lebensgemeinschaft ermöglicht es Flechten, Lebensräume zu besiedeln, die kaum ein anderes Lebewesen erschließen kann. So sind sie auf Steinen, Felsen, Geröllhalden und sogar auf Asphalt anzutreffen. Der Pilz schütz die Alge vor zu rascher Austrocknung und schirmt sie vor allzu starker UV-Strahlung ab. Im Austausch dafür teilt die Alge, die mit Hilfe des in ihr enthaltenen Chlorophylls Licht in Nährstoffe umwandeln kann, diese mit dem Pilz.

Im Wienerwald

Die Gewöhnliche Mauerflechte kommt weltweit vor und ist auch im Wienerwald weit verbreitet. Man kann sie an Steinen, Felsen, Häuser, Auffahrten und manchmal sogar an Baumstämmen entdecken. Sie ist jedoch keinesfalls schädlich, im Gegenteil: Sie erschließt toten Untergrund als neuen Lebensraum, bindet dort CO2 und setzt im Gegenzug Sauerstoff frei.

Spezialwissen:

Die Gewöhnliche Mauerflechte verfügt über antioxidative, antimikrobielle und cytostatische Wirkungen. Sie könnte daher durchaus auch medizinisch genutzt werden. Dass dies bislang noch nicht geschehen ist, liegt vor allem an der überaus schwierigen Ernte und dem sehr langsamen Wachstum dieser Flechte. Immerhin ist es vor kurzem an der TU Berlin gelungen, Mauerflechten kontrolliert zu züchten.

Die Flechte des Jahres wird von den Mitglieder der Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) bestimmt.

 

 

Steckbrief

Gewöhnliche Mauerflechte (Lecanora muralis)

Größe:bis zu 10 cm Durchmesser
Schutzstatus laut "Roter Liste": nicht gefährdet 
Verbreitung in Österreich:überall weit verbreitet
Lebensraum:

auf Steinen, Felsen, Mauern, Bodenplatten, Asphalt, Ziegeln, Schindeln und seltener auch Baumstämmen anzutreffen

Lebenserwartung:mindestens 3 Jahrzehnte, genaues Höchstalter unbekannt

 

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