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BP Wienerwald

Fledermäuse im Wienerwald - Die Kleine Hufeisennase

Die Kleine Hufeisennase - Navigationsprofi im Wald

Die Schneeflocken fallen und die Landschaft erstarrt in der Kälte.

Es ist die Zeit des Winterschlafs für unsere heimischen Fledermausarten - so auch für die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), welche 2018 und 2019 sogar zur Fledermaus des Jahres gekürt wurde!

Mit nur 4-7 g Normalgewicht zählt diese sehr seltene und streng geschützte Fledermaus zu unseren kleinsten heimischen Arten.

Während sie im Sommer eine typische Waldart ist, die im wendigen Flug zwischen den Bäumen nach Insekten jagt, hält sie jetzt in Stollen, Keller und Karsthöhlen ihren Winterschlaf. Eingewickelt in ihre eigenen Flughäute hängt sie in den frostfreien Bereichen ihres Quartiers von der Decke und erwacht erst wieder im März oder April.

 

Namensgebend für die kleine Hufeisennase ist ihr wirklich auffällig geformter Nasenaufsatz, der stark an ein Hufeisen erinnert. Dank diesem konnte sie eine ganz spezielle Form der Ultraschall-Echoortung entwickeln. Während die Mehrheit der Fledermausarten die Laute über den Mund ausstößt, kann sie die Laute auch über die Nasenlöcher aussenden. Dabei entspricht der Abstand ihrer Nasenlöcher genau der halben Wellenlänge des von ihr ausgesendeten Rufs (und der ist mit 114 kHz der Höchste unserer heimischen Fledermausarten). Durch ihre Nasenscheibe werden daher die Schallwellen in seitlicher Richtung durch Interferenzen vollständig ausgelöscht und die gesamte Schallenergie wird nach vorne gebündelt. Die kleine Hufeisennase erzeugt somit einen Schallstrahl, ähnlich einem Laserstrahl, mit dem sie ihre Umgebung nach schmackhafter Beute absuchen kann. Hat sie dann ein Insekt entdeckt, fliegt sie von ihrem Hangplatz los, schnappt es sich und kann – im Gegensatz zu anderen Fledermausarten, die erst schlucken müssen, um erneut rufen zu können – sofort weiterorten. Diese „High-Tech“-Orientierungsmethode ist eine Anpassung an die Lebensweise im dichten Wald, wo es gefährlich wäre, auch nur Sekunden im Blindflug unterwegs zu sein.

Wirklich blind ist sie jedoch nicht. Für eine Fledermaus sind die Augen zur Orientierung bei der Jagd aber bei weitem nicht so wichtig wie die Ohren.

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