Rush Hour im Toplitzbach: Liebeszug der Seelauben

15.06.2018 /Einblicke

(15.06.2018) Hochzeit im Toplitzbach: Die Seelauben ziehen zurzeit flussaufwärts zum Laichen. Am Weg dorthin legen sie einen Boxenstopp für die Wissenschaft ein, damit wir mehr über die gefährdete Art erfahren.

Seelauben beim Laichzug

Jedes Jahr wiederholt sich zwischen Mai und Juni ein besonderes Naturspektakel im Toplitzbach: Dann ziehen hunderte Seelauben aus dem Grundlsee flussaufwärts zum Laichen. Und dieses Jahr zählen wir erneut, wie viele es sind. Die Seelaube ist eine in Österreich als „gefährdet“ eingestufte Art. Durch Monitoring im Rahmen unseres LIFE+ Projektes „Ausseerland“ können wir mehr über die Artenzusammensetzung, die Gesamtpopulation, dessen Entwicklung und somit den Zustand dieser Fischart erfahren.

Rush Hour im Toplitzbach

Während des Laichzugs der Seelauben, verwandelt sich der sonst so beschauliche Toplitzbach in eine Fisch-Autobahn: Dann schwimmen tausende Fische flussaufwärts, um Eier abzulegen. Primär die Seelaube! In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen des LIFE+ Projektes rund 5.000 Seelauben gezählt, heuer sind es jedenfalls mehr (Stand Anfang Juni bei 7.500). Eine erfreuliche Entwicklung!

In einer sogenannten Reuse - das ist ein vorübergehend in den Toplitzbach eingebauter Kasten - machen die Fische auf ihrem Laichzug Zwischenstation. Zum Zählen und Bestimmen werden sie aus den Reusen genommen.
Foto: T. Kranabitl

Eine engmaschige Barriere sorgt dafür, dass uns kein Fisch durch den Rost fällt. 
Foto: A.-S. Pirtscher

Seelauben - wie diese am Bild - haben ein „oberständiges Maul“: Ihre Unterlippe ist vorstehend und dick. So können sie ihre Planktonnahrung besser von der Seeoberfläche pflücken.
Foto: L. Buchta

Alle Fische werden gemessen...
Foto: A.-S. Pirtscher

... und gewogen. Die Daten werden dokumentiert und später ausgewertet.
Foto: T. Kranabitl

Boxenstopp für die Wissenschaft

Ausgerüstet mit wasserdichten Wathosen, Kescher, Wasserlupe, Küchenwaage und Längenmesser machen sich unsere KollegInnen aktuell frühmorgens auf zur Zählstation – manchmal sogar mehrmals täglich. Um alle Fische zu erfassen, wird für die Dauer der Zählung eine sogenannte Reuse in den Bachlauf eingebaut: Das ist ein Gitterkasten, in den die Fische auf ihrer Wanderung über einen kleinen Eingang gelangen. Der restliche Bach wird durch mobile Paneele für die Fische unpassierbar versperrt. Es gibt keinen Weg vorbei - alle Fische werden gezählt.

Fisch für Fisch

Jeder Fisch wird einzeln händisch gemessen und gewogen. Fischart, Geschlecht, Länge und Gewicht werden dokumentiert. Nach der Zählung werden sie oberhalb der Reuse wieder sanft ins Wasser entlassen und können ihren Hochzeitszug in Ruhe fortsetzen. Während die Eltern nach der Laichablage wieder in die Seen zurückschwimmen, schlüpfen die Jungfische in den seichten Uferzonen des Toplitzbaches und lassen sich dann langsam in den See treiben.

Die Seelauben-Zählung läuft über ein Monat - von Mitte Mai bis Ende Juni - jedenfalls so lange, bis auch die letzte Seelaube ihren Laichzug erfolgreich beendet hat.

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