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Lokalaugenschein Gasteinertal: Nur gesunde, klimafitte Wälder sind Garant für Sicherheit

Utl.: Wälder unter Druck – Hotspot Gasteinertal – Klimafitte Waldbewirtschaftung – Mehr artenreiche Mischwälder

Windwürfe, Borkenkäfer, Wilddruck und zunehmende Wetterextreme: Österreichs Wälder stehen zunehmend unter Druck, der Klimawandel hinterlässt in der Forstwirtschaft deutliche Spuren. Zum einen schützen Wälder uns Menschen vor Naturgefahren, zum anderen sind sie selbst immer stärker vom Klimawandel betroffen. „Im Gebirgsland Österreich spielen Berg- und Schutzwälder eine ganz besondere Rolle. Sie sind primär nicht Nutzwälder, sondern dienen dem Schutz vor Hochwasserereignissen, Lawinen und Muren“ erklärt Hannes Üblagger, Betriebsleiter des Forstbetriebs Pongau von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf). „Diese Wälder schützen Siedlungsräume und damit Menschenleben. Holzertrag spielt dabei eine sehr untergeordnete Rolle. Hier ist der Schutz der Menschen vorrangig und zudem auch eine für uns gesetzlich verankerte Verpflichtung.“ Aufgrund zahlreicher Flächen in alpinem Gelände bewirtschaften die Österreichischen Bundesforste überdurchschnittlich viele Gebirgswälder wie im Gasteiner Tal. „Dabei spielt ein funktionierendes, forstliches Ökosystem eine essentielle Rolle. Neben den Bäumen an sich sind es auch die Qualität des Waldbodens und die Wildstände, die dabei eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn nur angepasste Wildstände ermöglichen es den Waldbeständen, sich gesund zu entwickeln bzw. sich nach Schadensereignissen wieder zu erholen und ihre Funktion zur Gänze zu erfüllen“, betont der Betriebsleiter.

Hotspot Gasteinertal

Das Forstrevier Gasteinertal mit seinen zahlreichen Haupt- und Nebentälern wurde in den letzten zwanzig Jahren wiederholt von schweren Stürmen mit großflächigen Windwürfen heimgesucht so etwa in den Jahren 1997 und 2002, gefolgt von starkem Borkenkäferbefall in den Folgejahren. Der letzte große Windwurf war im Dezember 2017 zu verzeichnen, als erneut ein Föhnsturm durch das Gasteinertal fegte. Zudem ist die Gegend rund um das Angertal, einem Seitental des Gasteinertals, ein Hotspot, was Wilddruck und Wildeinfluss betrifft. Nach den massiven Schadereignissen durch Stürme und nachgelagertem Borkenkäferbefall haben die Bundesforste die geschädigten Flächen wieder aufgeforstet und allein im Forstrevier Gastein rund 80.000 Jungpflanzen gesetzt, davon rund 20.000 Lärchen. Die Lärche ist für Schutzwaldlagen besonders wichtig, da sie gegenüber Starkwind und Nassschnee besonders widerstandsfähig ist. „Die Kulturarbeiten gestalten sich äußerst zeitaufwändig, die Berghänge sind sehr steil. Die jungen Pflanzen werden von den Forstarbeitern auf den Berg getragen und jede Pflanze mit der Hand eingesetzt“, beschreibt Hannes Üblagger die Aufforstungsarbeiten im steilen Gelände, das teils eine Hangneigung bis zu 60 % aufweist. „Die Wiederbewaldung derartiger Waldflächen ist sehr kostenintensiv. In den letzten Jahren haben uns die Aufforstungen mit Jungpflanzen und anschließenden Pflegemaßnahmen allein im Forstrevier Gastein rund 300.000 Euro gekostet“, weist Üblagger auf die entstandenen Kosten hin. Durch den hohen Wilddruck kommen die Jungpflanzen jedoch leider kaum auf oder sterben ab. Die zuständige Forstbehörde hat etwa im Angertal auf großer Fläche waldverwüstende Wildschäden aufgrund zu hoher Rotwildbestände festgestellt.

Vor allem in Zeiten des Klimawandels besonders wichtige Mischbaumarten werden so stark verbissen, dass sie großteils absterben. Von den rund 20.000 gesetzten Lärchen im Angertal ist beinahe keine mehr übrig. „Ein alarmierendes Ergebnis“, so der Betriebsleiter. Durch Verbiss werden die Bäume in ihrem Wachstum gehemmt oder sterben überhaupt ab. Kommt noch Rindenschälung durch Rotwild dazu, brechen die Bäume früher oder später an den mit Braunfäulepilzen infizierten Stellen ab. Die entwaldeten Berghänge sind schutzlos den Witterungsbedingungen ausgesetzt, die Erosion kaum mehr aufzuhalten. Ist die Schutzwirkung durch den Wald erst einmal verloren gegangen, müssen technische Verbauungsmaßnahmen die Schutzwirkung übernehmen. „Die Kosten für technische Verbauungen betragen jedoch ein Vielfaches und müssen zum größten Teil von öffentlicher Hand bezahlt werden“, erläutert Hannes Üblagger.

Gesunde und artenreiche Wälder im Kampf gegen den Klimawandel

„Bei einem Lebenszyklus von durchschnittlich 120 Jahren müssen wir den Wald bereits heute auf die Klimabedingungen vorbereiten, die in 50 oder 100 Jahren bei uns herrschen werden. Artenreiche, stabile Mischwälder haben sich gegen zunehmende Wetterextreme, Naturgefahren und Schädlinge als stabiler erwiesen als Monokulturen“, führt der ÖBf-Betriebsleiter aus. Auch die Baumartenzusammensetzung wird sich an manchen Standorten ändern müssen: So werden Tannen und Lärchen zukünftig an Bedeutung gewinnen, da sie aufgrund ihrer tief in den Waldboden reichenden Wurzeln Stürmen besser standhalten können und auch mit Trockenheit besser zurechtkommen als die Fichte. Im Pongau etwa werden Lärchen, Zirben und Laubhölzer zunehmen. Die Fichte wird im Gebirge nach wie vor die natürlich vorkommende Hauptbaumart bleiben, ihr Anteil langfristig aber deutlich abnehmen. „Eine Schlüsselrolle im Wald der Zukunft kommt einem ausgewogenen und Lebensraum angepassten Wildstand zu, denn Wald und Wildtiere sind beide Bestandteile des Ökosystems und unmittelbar miteinander verbunden“, unterstreicht Hannes Üblagger. „Denn junge Bäume können nur dann in ihrer natürlichen Vielfalt wachsen, wenn sie nicht zu sehr von Wildtieren verbissen oder geschält werden. Daher brauchen wir Lebensraum verträgliche Wildstände mit einer guten Balance aus Wald und Wild.“ Aufgrund der zahlreichen Diskussionen im letzten Winter haben die Bundesforste bereits in den letzten Monaten verstärkt den Dialog mit der Jägerschaft gesucht, um gemeinsame Maßnahmen zu entwickeln. Aber auch Alm- und Weidewirtschaft gehören miteingebunden. „Gemeinsam mit der Jägerschaft wollen wir durch geeignete forstliche und jagdliche Maßnahmen ein Aufkommen stabiler Mischwälder sicherstellen“, betont Üblagger das Miteinander. Eine hohe Biodiversität reduziert nicht nur das Schädlingsrisiko, sie trägt auch maßgeblich zu einer höheren Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt bei. „Gesunde Wälder bieten nicht nur Mensch, Tiere und Pflanzen einen unersetzlichen Lebensraum, sie sind und bleiben auch der beste Klimaschützer“, so Betriebsleiter Hannes Üblagger abschließend.

Österreichische Bundesforste in Salzburg

In Salzburg sind die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) mit vier Forstbetrieben vertreten – Forstbetrieb Flachgau-Tennengau, Forstbetrieb Kärnten-Lungau, Forstbetrieb Pinzgau und Forstbetrieb Pongau. Die Gesamtfläche der Bundesforste in Salzburg beträgt rd. 203.000 Hektar, davon rund 124.000 Hektar Waldfläche, das entspricht etwa 33 % der Waldfläche Salzburgs. Ein Drittel der Wälder oder umgerechnet rund 35.000 Hektar sind Schutzwälder. Ein Großteil der Fläche liegt südlich von Salzburg-Stadt im Flachgau, Tennengau, Pinzgau und Pongau.

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Rückfragehinweis:
Österreichische Bundesforste
Mag. Pia Buchner, Pressesprecherin
3002 Purkersdorf | Pummergasse 10-12
Tel. 02231-600-1520 | Mobil 0664-819 74 80
E-Mail pia.buchner [AT] bundesforste [.] at

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