Tal der Fledermäuse: Urwald-Fledermaus nachgewiesen

19.02.2015 /Presse

Forschungsprojekt von Land NÖ und Bundesforsten in Europaschutzgebiet - 22 seltene Fledermausarten - Sensationeller Nachweis des Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfers

Ob Bechstein- oder Mopsfledermaus, Scharlachkäfer oder Großer Eichenbock: Die klingenden Namen so mancher geschützter Käfer- und Fledermausarten sind in heimischen Wäldern selten geworden. In einem mehrjährigen Forschungsprojekt haben das Land Niederösterreich und die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) die Untersuchung heimischer Fledermaus- und Käferarten im Europaschutzgebiet „Kamp- und Kremstal“ in den Fokus gestellt. Allein im Kremstal konnten 22 Fledermausarten und 5 Käferarten laut Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie nachgewiesen werden. Es stellt damit eine der artenreichsten Regionen Österreichs dar, kein anderes Europaschutzgebiet beherbergt mehr dieser seltenen und teils hochgradig gefährdeten Fledermaus- und Käferarten. In den oft mehrere hundert Jahre alten Eichen- und Buchenwäldern, zahlreiche davon auf ÖBf-Flächen, finden die Tiere ideale Lebensraum- und Rückzugsbedingungen vor. Sie leben bevorzugt in Urwald-artigen Wäldern, alten Bäumen und großen Baumhöhlen, die sie oft ihr Leben lang nicht verlassen. 

Sensationeller Nachweis des Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfers 

Zu dieser Spezies zählt auch der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer, ein besonderes Naturjuwel und eine in ganz Europa vom Aussterben bedrohte Art, deren Vorkommen nun im Kremstal erfolgreich nachgewiesen werden konnte. Der Holz bewohnende Käfer mit dem einprägsamen Namen verbringt sein Leben in kleinen Mulden und Ritzen am Fuß mächtiger Buchen und Eichen, die mittlerweile selten geworden sind und damit auch diese Art an den Rand ihres Aussterbens gedrängt haben. Drei Viertel der in Österreich bekannten Vorkommen leben im Kremstal. „In unserer Umgebung verbirgt sich oft eine unglaubliche Fülle an Naturreichtum, der erst bei genauerem Hinsehen zum Vorschein kommt. Wir im ‚Naturland Niederösterreich‘ können uns glücklich schätzen über diese Vielfalt und sind uns auch unserer Verantwortung dafür bewusst“, zeigt sich Naturschutzlandesrat Dr. Stephan Pernkopf von den Ergebnissen beeindruckt. Neben dem Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfer konnten im Rahmen des Projektes auch Vorkommen vier weiterer seltener Käferarten wie Hirschkäfer, Eremit, Scharlachkäfer und Großer Eichenbock festgemacht werden.

Bechsteinfledermaus eine der seltensten Urwald-Fledermäuse

In großflächig naturnahen Wäldern, wie sie stellenweise im Kremstal noch vorkommen, fühlen sich Fledermäuse besonders wohl – so wohl, dass neben Mopsfledermaus, Wimpernfledermaus und Kleiner Hufeisennase sogar die Bechsteinfledermaus, eine der seltensten Urwaldfledermäuse in Österreich nachgewiesen werden konnte. Auf dem Projektgebiet wurde auch die größte Fledermauskolonie des Landes Niederösterreich ausgemacht: In einer Kirche bei Obermeisling finden sich Jahr für Jahr etwa 3.000 Weibchen des Großen Mausohrs ein, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Sie finden in den Wäldern der Umgebung ideale Jagdbedingungen und erbeuten jeden Sommer mehr als 5.000 kg Insekten.

Urwald-Fledermaus: Bechsteinfledermaus (myotis bechsteinii)
Quelle: Axel Müller

Großer Eichenbock auf Blatt (cerambys cerdo)
Quelle: ÖBf/Franz Kovacs

Kleine Hufeisennase (rhinolophus hipposideros)
Quelle. ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger

Europaschutzgebiet Kremstal
Quelle: Martin Pollheimer

Mopsfledermaus (barbastella barbastellus)
Quelle: Stefan Wegleitner

Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (limoniscus violaceus)
Quelle: Peter Müller

Natura-2000-Gebiet / Eurpaschutzgebiet Kremstal bei Senftenberg
Quelle: ÖBf-Archiv, Wolfgang Simlinger

Naturnahe Wälder fördern Artenvielfalt

Das Forschungsprojekt von Land Niederösterreich, den Österreichischen Bundesforsten und coopNATURA, das von der Europäischen Union und dem Land Niederösterreich finanziell unterstützt wurde, ist nunmehr abgeschlossen. Das Naturerbe mit seiner Artenvielfalt zu bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben, sehen die Projektpartner auch weiterhin in ihrer Verantwortung. „Voraussetzung ist eine umsichtige und naturnahe Waldbewirtschaftung, die den ökologischen Anforderungen, den gesellschaftlichen Bedürfnissen und den wirtschaftlichen Erfordernissen gleichermaßen Rechnung trägt“, betont Georg Erlacher, Vorstand der Österreichischen Bundesforste, abschließend.

Pressefotos

Rückfragehinweis:
Österreichische Bundesforste
Mag. Pia Buchner, Pressesprecherin
Tel. 02231-600-2120
E-Mail pia.buchner [AT] bundesforste [.] at

Land Niederösterreich
DI Jürgen Maier, Pressesprecher Landesrat Dr. Stephan Pernkopf
Landhausplatz 1, Haus 1, 3109 St. Pölten
Tel. 02742 9005 – 15473
E-Mail j.maier [AT] noel.gv [.] at

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