Panzerknacker in Aktion: Im Kampf gegen den eingeschleppten Signalkrebs

(11.8.2015) Im Rahmen des LIFE+ Projekts Ausseerland wird der eingeschleppte Signalkrebs aus den Gewässern gefangen. Damit wird die Verbreitung der gefährlichen Krebspest, die zum Aussterben heimischer Krebsarten führt, verhindert. Positiver Nebeneffekt: die erbeuteten Signalkrebse schmecken hervorragend!

Mit dem Import des amerikanischen Signalkrebses (Pacifastacus leniusculus) im 19. Jahrhundert wurde die Krebspest in Österreich eingeschleppt, die für alle heimischen Krebsarten tödlich ist. Die Signalkrebse dienen einem Pilz als Wirt, sind aber selber dagegen immun. Ihre rasche Ausbreitung führte zur Ausrottung verschiedener heimischer Krebsarten wie Steinkrebs und Edelkrebs. Sobald ein infizierter Signalkrebs in ein unberührtes Gewässer eindringt, ist die Population des heimischen Steinkrebses darin verloren. Die Übertragung findet aber bereits durch Kontakt mit Wasser aus infizierten Gewässern statt. So können auch Angler mit ihrer Kleidung und ihren Geräten zur Verbreitung dieser Krankheit beitragen.

Hoffnung für den heimischen Steinkrebs
Die heimischen Krebsarten sind jedoch noch nicht ganz verloren: Im Rahmen des LIFE+ Projekts Ausseerland wurden bei Erstaufnahmen im Talbereich zwischen Bad Aussee und Bad Mitterndorf 13 Teilpopulationen des heimischen Steinkrebses auf circa 70 km2 gezählt. Um diese im österreichischen Vergleich starken Vorkommen zu schützen, werden sämtliche Lebensräume in den Mitterndorfer-Biotopverbund, einem neuen Natura- 2000-Gebiet, inkludiert und Gefährdungen durch den amerikanischen Signalkrebs eingedämmt. In einem einzelnen Bachlauf, dem Buntzbauergraben, ist Befall mit Signalkrebsen festgestellt worden. Da die Krebse im Falle einer Überpopulation auch weitere Strecken über Land bewältigen können, mussten aktive Maßnahmen gesetzt werden.

Erfolgreiche Klaubaktion mit kulinarischem Abschluss
Um die Ausbreitung Richtung Mitterndorfer-Biotopverbund zu verhindern, wurden erstmals in einer Versuchsaktion Signalkrebse geklaubt. Mit dieser Methode ist es natürlich nicht möglich, den Signalkrebs auszurotten, doch eine weitere Verbreitung kann damit eingedämmt werden.
Da der Krebs nachtaktiv ist, starteten sechs MitarbeiterInnen des ÖBf-Forstbetriebs Inneres Salzkammergut ausgerüstet mit Gummistiefeln, Kübeln und Taschenlampen gegen neun Uhr abends zum Buntzbauergraben. Nach drei Stunden mühsamem „aufs Gewässer Starren“ und wilden Verfolgungsjagden konnten 65 gefangenen Signalkrebse gezählt werden. Am schwierigsten war es dabei, die kleineren Krebse zu erwischen. Sie sind sehr flink und verstecken sich leicht im Schlamm oder unter Steinen. Nach der erfolgreichen Klaubaktion wurden die Utensilien und Kleidungsstücke, die mit dem Wasser in Berührung kamen, gereinigt, damit die Pilzsporen nicht in andere Gewässer übertragen werden. Dies geschieht am besten durch langes Trocknen an der Sonne, heißes Waschen oder Desinfektion mit Iod.
Und was tun mit der Beute? Die Aktion hat einen sehr positiven Nebeneffekt, denn der Pilz ist für Menschen unbedenklich und der Signalkrebs gilt als Delikatesse. Daher wurden alle erbeuteten Krebse gekocht und dienten den Freiwilligen als Belohnung für  den nächtlichen Einsatz.

Wiederholte Aktionen notwendig
Eine nachhaltige Verkleinerung der vorhandenen Signalkrebspopulation im Buntzbauergraben kann nur dann stattfinden, wenn in drei aufeinanderfolgenden Monaten pro Jahr in der aktiven Krebszeit Signalkrebse geklaubt werden. Andere Methoden, wie der Einsatz von Reusen oder Netzen sind wenig effektiv, da damit meist nur die großen Krebse gefangen werden können. Daher ist bald wieder nächtliches Krebse Klauben mit anschließendem Panzer Knacken im Ausseerland angesagt.  

 

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