Erhaltung und Renaturierung
Als größter Naturraummanager in Österreich sorgen die Bundesforste für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Wasser- und Landökosystemen.
Dieser Teil des Ö.L. befasst sich mit jenen Tieren, Pflanzen und Lebensräumen, die besonders selten und schützenswert sind. Es handelt sich dabei in erster Linie um seltene Arten und Waldbiotoptypen sowie um naturschutzfachlich interessante Nebengründe, wie Moorflächen, artenreiche Wiesenflächen und Waldränder sowie Trockenrasen und Berg-Magerwiesen. In diesem Sinne tragen die ÖBf hier eine große Verantwortung zum Erhalt und Schutz dieser Arten und Lebensräume.
Der Wald als Lebensraum
Österreichs Wälder bieten Lebensraum für rund 1.000 Arten von Blütenpflanzen, davon 60 Baumarten, sowie für Moose, Pilze, Flechten, Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Vögel, Insekten, Spinnen, Schnecken und für zahlreiche Mikroorganismen.
Vom Umweltbundesamt wurden 93 unterschiedliche Waldbiotoptypen definiert, die sich in Bezug auf Standortfaktoren (Klima, Boden, Seehöhe, …) und Vegetation unterscheiden. Beispiele für diese definierten Waldbiotoptypen sind Fichten-Tannen-Buchenwald, Silberweidenau, Zirbenwald, Stieleichen-Hainbuchenwald und Birken-Moor-Wälder. Die Summe dieser Waldbiotoptypen bietet eine enorme Strukturvielfalt, die die Grundlage für den generellen Artenreichtum im Lebensraum Wald ist. Der Lebensraum Wald ist geprägt von einem Mosaik an unterschiedlichen Eigenschaften in Bodenzusammensetzung (von grobkörnig bis feinporig), Wasserversorgung (von trocken bis feucht), Nährstoffversorgung und Lichtverhältnissen. Helle Waldränder, aufgelockerte Nachwuchsbestände, Sukzessionsflächen und Waldlichtungen mit zahlreichen Blütepflanzen sowie dichte dunkle Baumbestände bieten verschiedensten Tierarten geeignete Bedingungen für ihre Bedürfnisse. Vom Boden als Wurzelraum, über die Moosschicht und die unterste Vegetationsdecke mit bodenbedeckenden Pflanzen über die Strauch- und Baumschicht sowie das Kronendach: jeder Bereich des Waldes bietet Nahrung, Schutz, Nistmöglichkeit - kurz Lebensraum für Tierarten, Pilze, Mikroorganismen. Der Lebensraum Wald ist ein dynamisches System. Der Wald ist ein Netzwerk aus Boden, Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen. Er leistet einen großen Beitrag zur Steuerung der Stoffkreisläufe. Dieses Netzwerk ist Wasserspeicher und Luftfilter zugleich und hat eine stabilisierende Wirkung im Gelände.

Der Wald mit seiner Vielfalt an Strukturen und Pflanzen- und Tierarten bietet auch eine Vielfalt an direkt nutzbaren Produkten. Von Pflanzen, Früchten, Pilzen und Wildfleisch über Brenn-, Möbel- und Industrie- und Bauholz - das ist nur ein grober Überblick über den Produktreichtum des Waldes, den der Mensch im Lauf der Zeit nutzen und schätzen lernte. Neben diesen greifbaren Produkten des Waldes, gibt es die schwer fassbaren aber nicht weniger bedeutsamen Ökosystem-Leistungen des Waldes: Gesunde Wälder übernehmen eine wichtige Rolle im Landschaftswasserhaushalt, wirken temperaturregulierend, gehören, durch ihre Fähigkeit große Mengen an Kohlenstoff zu binden, zu den Schlüsselstellen im Klimawandel, bieten Schutz vor Erosionen, Lawinen, etc., filtern Schadstoffe aus der Atmosphäre und werden als Erholungsraum genutzt. An erste Stelle bei der Nachhaltigen Nutzung des Waldes steht ein schonender Umgang mit dem Ökosystem Wald, im Wissen um die zahlreichen Netzwerke und Zusammenhänge im Wald. Übernutzung oder großflächige Kahlschläge destabilisieren das Ökosystem Wald. Die positiven Funktionen des Waldes (Luft- und Wasserfilter, Ort der Artenvielfalt, Produktlieferant, Erholungsraum, …) können nicht mehr geliefert werden.
Gewässer
Sauberes Wasser ist die wichtigste Lebensgrundlage für Mensch und Natur. In Österreich gibt es ausreichend Quellen und Grundwasser, um Trinkwasser in höchster Qualität zu gewinnen.
Die Bundesforste tragen wesentlich dazu bei, diese Wasserbestände zu sichern und sie reinzuhalten. Wir kümmern uns um eine ökologische Betreuung und Erhaltung des Waldes, denn der Waldboden filtert, reinigt und speichert Regenwasser. Nur durch den Schutz unserer Wälder kann auch die Qualität unserer Quellen gewährleistet werden.
Feuchtgebiete sichern die Wasserressourcen. Als Feuchtgebiete gelten Seen, Moore, Feuchtwälder und -wiesen. Sie werden durch eine internationale Konvention, die sogenannte "Ramsar-Konvention", besonders geschützt. Diese wurde auch von Österreich unterzeichnet. Gemeinsam mit dem WWF, der Universität Wien, den Nationalparks und den Naturschutzabteilungen der Bundesländer sorgen wir dafür, dass diese Konvention umgesetzt wird. Insgesamt sieben Flächen wurden von uns bisher als „Ramsar-Gebiete“ ausgewiesen. Mit der nachhaltigen Betreuung von Feuchtgebieten setzen die ÖBf einen weiteren wichtigen Schritt zum Schutz der Natur in Österreich.
Weitere Infos zur Ramsar-Konvention finden Sie hier.
Wiesen, Almen und alpine Matten
Wiesen gehören zur Kulturlandschaft - sie sind durch den Menschen entstanden und können nur durch eine Bewirtschaftung erhalten bleiben. Zusätzlich zu ihrer Funktion in der Landwirtschaft bilden sie auch wichtigen Erholungs- und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Wiesen und Weiden sind Lebensgemeinschaften, die sich je nach geologischem Untergrund, Boden, Niederschlag, Temperatur unterscheiden. In Abhängigkeit von den Standortbedingungen und der Bewirtschaftung Fettwiesen, Feucht- und Nasswiesen, Halbtrocken- und sogar Trockenrasen. Die Pflanzenarten, die hier zu finden sind, sind zumeist lichtliebend, schnitt- oder beweidungstolerant. In Wiesen leben bevorzugt Tagfalter, Feldheuschrecken, Grillen, aber auch eine Reihe von Käfer- und Wanzenarten. Unter den Vögeln gibt es einige Arten, die für die Jungenaufzucht oder die Futtersuche auf den Lebensraum Wiese angewiesen sind.
Bei alpinen Matten handelt es sich um Rasengesellschaften, die teilweise mit Zwergsträuchern und Felsflächen durchsetzt sind. Sie entsprechen der typischen Vegetationsform oberhalb geschlossener Zwergstrauchheiden und reichen bis zu 2.800 Meter Seehöhe hinauf. Auf diese Almflächen wird im Sommer das Vieh aufgetrieben. Außerdem werden sie als Bergmahd genutzt. Almen wurden früher häufig erweitert - im unteren Bereich wurden Bäume gerodet. Die Waldgrenze wurde dadurch teils um mehrere hundert Meter nach unten verlegt. Die alpinen Matten sind also nicht wirklich ein natürliches Grünland, sondern eine Kulturlandschaft. Da die Grünlandnutzung in den Tälern während der letzten Jahrzehnte deutlich zugenommen hat, unterliegen viele Almflächen der Verbuschung und werden auf lange Zeit (bei fehlender Nutzung) auch wieder mit Bäumen bewachsen werden.
