BP Wienerwald

Spinne des Jahres 2021

Spinnen zählen nicht gerade zu den Top Ten der beliebtesten Arten. Wer seine Vorbehalte gegenüber diesen uralten Gliedertieren beiseitelegt, den erwartet eine faszinierende Welt. Die Farben- und Formenvielfalt dieser achtbeinigen Jäger erscheint nahezu grenzenlos.

Ebenso spannend wie ihr Aussehen sind auch ihre Verhaltensweisen, zum Beispiel die unterschiedlichen Jagdtechniken. Die verschiedenen Spinnenarten bauen Radnetze, Trichternetze, Wurfnetze oder befestigen Stolperfäden mit Leimtröpfchen am Boden. Andere Arten verzichten auf den Netzbau und attackieren ihre Beute im Sprung oder lauern ihr in einer mit einem Klappdeckel verschlossenen Wohnröhre auf. Auf dem Speiseplan stehen meist unvorsichtige Insekten. Die Familie der Spinnenfresser-Spinnen hat sich – wie es der Name schon verrät - auf das Fangen anderer Spinnenarten spezialisiert.

Doch wie überlistet man einen vorsichtigen und wehrhaften Räuber? Der Zweihöcker-Spinnenfresser (Ero furcata) hat eine ganz besondere Taktik entwickelt. Wenn der Abend naht, sucht er das Netz einer anderen Spinne auf. Am Rand angekommen beginnt er an den Fäden zu rütteln – ganz so, als wäre er ein gefangenes Insekt. Durch die Bewegungen angelockt nähert sich die Besitzerin des Netzes. Sobald sie in Reichweite ist, beißt der Zweihöcker-Spinnenfresser blitzschnell in eines ihrer Beine. Sein schnell lähmendes Gift macht die Beute augenblicklich bewegungslos und ermöglicht es ihm, sie in aller Ruhe auszusaugen.

Spinnenfresser sind in Mitteleuropa mit nur vier Arten vertreten, in Österreich ist der Zweihöcker-Spinnenfresser die häufigste Art.

Im Wienerwald

Insgesamt 171 Spinnenarten konnten im Zuge des ersten Biodiversitätsmonitorings im Biosphärenpark Wienerwald nachgewiesen werden, darunter auch zwei Exemplare des Zweihöcker-Spinnenfresser als einzigen Vertreter aus der Familie der Spinnenfresser (Mimetidae). Hier die Untersuchung der Spinnenfauna zum Nachlesen: https://www.zobodat.at/pdf/WM_25_0311-0330.pdf

Spezialwissen:

Um den nur knapp einen halben Zentimeter großen Zweihöcker-Spinnenfresser zu entdecken, braucht es wirklich Glück, denn er sitzt tagsüber meist versteckt unter Blättern und Zweigen. Einfacher ist es, seine Ei-Kokons zu finden! Diese sind etwa 4 mm groß, tropfenförmig und hängt an einem 1 – 2 cm langen Faden unter Zweigen oder anderen Pflanzenteilen. Sie bestehen aus drei Schichten von Spinnenseide mit verschiedenen Eigenschaften: Innen weich, in der Mitte fest und außen mit bräunlichen, an Stahlwolle erinnernde Fäden überzogen – alles aus den Spinndrüsen des Weibchens, die damit für ihren Nachwuchs eine sichere Kinderstube gebaut hat!

An der Wahl zur Spinne des Jahres waren 84 Arachnolog*innen aus 27 europäischen Ländern beteiligt. Die Koordination lag beim Naturhistorischen Museum Wien, in Zusammenarbeit mit der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) und der European Society of Arachnology (ESA).

Fundmeldungen und Fotos zur weiteren Erforschung dieser spannenden Spinnenart sind auf www.naturbeobachtung.at herzlich willkommen.

 

Steckbrief

Zweihöcker-Spinnenfresser (Ero furcata)

Größe:2,5 – 4,8 mm (Weibchen größer als Männchen)
Schutzstatus laut "Roter Liste": nicht gefährdet 
Verbreitung in Österreich:ganz Österreich, bis in 2000 m Höhe nachgewiesen
Lebensraum:Wälder, Waldrändern und Weinberge, aber auch Ödland und Feuchtwiesen
Lebenserwartung:unbekannt – vermutlich überwintern nur die Jungtiere im Kokon

 

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